Täglicher Bericht der Aktivitäten an Bord des Forschungsschiffes mit Videos und Fotos.

Die Position des Forschungsschiffes Atlantis konntet ihr im Internet in Echtzeit ganz genau verfolgen:

http://www.sssg.whoi.edu/atlantislog.jpg


25. Oktober 2006

Ahoi! Wir sind auf der Atlantis!

Mein Name ist Andreas. Als Journalist begleite ich die Meeresbiologinnen Monika, Bettina, Sigrid und Sabine an Bord des US-amerikanischen Forschungsschiffes Atlantis bei ihrem “Abenteuer Tiefseeforschung”.

Heute Abend noch soll es hinausgehen auf den Stillen Ozean. In ein paar Tagen dann wollen wir mit einem U-Boot tauchen – hinunter auf 2500 Meter Tiefe.

Meeresbiologinnen u. ihr Gepaeck

Vor drei Tagen sind wir in San Diego angekommen. Wir haben die Zeit genützt, um noch notwendige Dinge zu besorgen für die große Forschungsreise zu den heißen Quellen der Tiefsee und ihren bizarren Bewohnern. Und natürlich auch, um guten Live-Jazz zu hören in den Lokalen der riesige Hafenstadt ganz im Süden Kaliforniens. San Diego liegt nur wenige Kilometer von Mexiko entfernt, wo wir in etwa vier Wochen wieder an Land gehen werden.

Doch zuerst wollen wir mal hinaus auf die Hochsee.

“Da ist sie! Please go ahead”. Monika erspähte am Pier zwischen zwei Kriegsschiffen vorgestern Abend die wunderschöne blau-weiße Atlantis. Gleichzeitig erklärte sie dem völlig überforderten Taxilenker den komplizierten Weg zum Liegeplatz. Eine Gruppe von fünf Austrian people mit einem Dutzend bunter Koffer im hermetisch abgeriegelten Marinehafen abzusetzen, erschien dem Taxilenker als der Höhepunkt einer verrückten Fahrt.

Kurz darauf hatten wir unser Gepäck an Bord. Ehrlich gesagt, war ich froh, mit Monika und Sabine zwei Wissenschaftelrinnen im Team zu haben, die nicht zum ersten Mal auf der Atlantis sind. Die Seemänner wirkten nicht gerade überschwenglich freundlich, bis sie Sabine wiedererkannten, die schon mal mit auf einer Cruise war. Und Monika? Monika war gewissermaßen zu Hause angekommen. Wenige Wissenschaftler sind öfters in die schwarzen Tiefen des Meeres getaucht, als Monika Bright.

Während Monika zielsicher von Deck zu Deck eilte, hier alte Freunde begrüßte, dort ihren Schützlingen aus Wien die Eigenheiten des Bordlebens erklärte, verstand auch der Neuling ziemlich rasch, dass dieses Schiff auf Forschung ausgelegt ist und nicht auf Komfort.

Es dauerte eine Weile, bis hinter dem scheinbaren Chaos eine durchaus gegebene Ordnung erkennbar wurde. Etwa bis man lernte, Werkzeug der Schiffsmechniker von Forschungsgeräten sicher zu unterscheiden.

Die erste Nacht in den recht geräumigen Kabinen wurde eigentlich nur von einer Klimaanlage beeinträchtig, die gnadenlos den Eindruck vermittelte, im Windkanal zu nächtigen. Doch angeblich gewöhnt man sich daran…

Der erste Tag auf der Atlantis:

Obwohl wir noch immer mit der beträchtlichen Zeitverschiebung Probleme haben, stehen wir heute morgen alle sehr leicht auf. Das Auslaufen der Atlantis will natürlich keiner von uns verschlafen.

Als auf der Steuerbordseite der Atlantis bereits die Gangway eingezogen wird, schwimmt im Morgengrauen ein Seehund quer durch den Hafen und taucht an Backbord des Schiffes auf. Er blickt kurz hoch, als wollte er uns grüßen, dann taucht er elegant unter dem Forschungsschiff weg.

Als bald darauf über den Hüglen der mexikanischen Stadt Tijuana die Sonne aufgeht, ist es soweit: Die Atlantis sticht in See! Na ja, nicht so ganz. Eigentlich dauert die erste Etappe gerade mal eine halbe Stunde, dann liegen wir erneut an einem Pier im Hafen von San Diego: Tanken ist angesagt. Klar, dass man ein Schiff wie die Atlantis nicht einfach an der Zapfsäule auftankt. Aber dass die Tankstelle zum Kunden kommt, ist wohl auch nur dann der Fall, wenn dieser WIRKLICH VIEL Treibstoff kauft: In der Morgensonne glitzert und blinkt eine Kolonne von sieben Tankwagen, drei davon mit Anhängern. Das Betanken wird eine Zeitlang dauern, geben uns Matrosen zu verstehen und es sieht aus, als könnte man jetzt mal zum Frühstück gehen, ohne etwas zu versäumen. Als wir dann sechs Stunden später vom MITTAGESSEN aufstehen, wird noch immer Treibstoff in die Tanks der Atlantis gepumpt. Dabei sind die insgesamt 70 000 Gallonen nicht mehr als eine Vorspeise für den Treibstoffhunger der Atlantis. Ihr “Dieselmagen” fasst nämlich mit 250 000 Gallonen gut die dreifache Menge. Den Rest will man in Mexiko zukaufen…

Am frühen Nachmittag steht Sicherheitstraining auf dem Programm. Zuerst sehen wir ein Video, das eindringlich vor Feuer, Stürzen, schlagenden Türen und all den zahlreichen Gefahren an Bord eines Hochseeschiffes warnt. Die richtigen Verhaltensweisen in gefährlichen Situationen erklärt danach Kapitän Gary B. Chiljean mit dem trockenen Humor eines erfahrenen Seebären. Am Ende seines Vortrags bemerkt er fast nebenbei, dass in unserem Untersuchungsgebiet, weit draußen vor der Küste Mittelamerikas, ein Hurrikan herumzieht. “Aber ich werde das Wetter im Auge behalten,” versichert der erfahrene Seemann.

Jetzt sieht es mal so aus, als würden wir heute Abend um 20 Uhr tatsächlich aufbrechen.

Lassen wir uns überraschen.


26. Oktober 2006

Der erste Tag auf See

Heute sind wir das erste Mal im U-Boot. Allerdings nur für knapp eine Stunde und ehrlich gesagt auch nur in Gedanken. Bruce, ein erfahrener Pilot der Alvin gibt uns einen Einblick in die Technik des Tauchboots und nennt auch die möglichen Gefahren. 

In der Liste der Alpträume eines U-Bootpiloten steht Feuer an Bord ganz oben. Und weil Feuer umso besser brennt, je mehr Sauerstoff zur Verfügung steht, wird im U-Boot der natürliche Anteil von Sauerstoff an der Atemluft von etwa 20 Prozent auf 17 Prozent reduziert. Das ist gut als Brandvorbeugung, kann aber schlecht sein für das Befinden der Alvin-Passagiere. Als Bruce fragt, ob irgendjemand nicht tauchen möchte, meldet sich aus der letzten Reihe Yuri: “Yes, I will not dive for sure.”

Yuri, ein in Russland geborener Ozeanograph, erzählt von einem Tauchgang, bei dem er bereits beim Abtauchen den Mangel an Sauerstoff in der Kapsel bemerkte und von acht Stunden Kopfschmerzen der übelsten Sorte. “I am absolutely sure: this was my first dive and even the last one. But nevertheless it was great.”

Auf der Liste der Gegenstände, die im U-Boot verboten sind, stehen auch Feuerzeuge. Aber was macht man schon mit einem Feuerzeug unter Wasser? Auch Kleidung aus Kunststoff ist verboten. Durch Reibung der Fasern könnten Funken entstehen.

Auf die lebensnotwendigen Anweisungen folgte dann noch eine ziemlich amerikanische Anweisung in Sachen zwischenmenschlicher Rücksichtnahme. Man möge doch bitte bedenken, acht Stunden lang mit zwei anderen Menschen auf engstem Raum zu sein und daher kein aufdringliches Rasierwasser verwenden. Pat, der Chef der U-Boot Piloten ergänzt mit säuerlichem Grinsen: “No bare feet in submarine”. Wahrscheinlich spricht er aus Erfahrung…

Die erste Nacht an Bord verläuft ruhig – wenn wir von meinem persönlichen Feind Air Condition mal absehen wollen. Als es um sechs Uhr hell wird, ist von der Küste nichts mehr zu sehen. Der Himmel ist bedeckt, die See ruhig, nur leichter Wellengang. Daran ändert sich dann den ganzen Tag über nichts. Das ist gut so, denn einige von uns zählen nicht gerade zu den routinierten Seefahrern. Jetzt können wir uns langsam an den schwankenden Untergrund gewöhnen. Und angeblich nähern wir uns ja einem Gebiet, wo noch immer ein Hurrikan tobt. Davon ist bisher zwar noch nichts zu bemerken, doch Chief Scientist Andreas Thurnherr ist sicher, dass wir in den nächsten Tagen ziemlich hohe Wellen erleben werden.

Monika, Bettina, Sabine und Sigrid nützen die Zeit und besprechen die ersten Tauchgänge. Zuständigkeiten werden noch mal erörtert, die Wissenschaftlerinnen wollen nichts dem Zufall überlassen und ihre Rollen perfekt ein- und ausüben.

Über das Heck der Atlantis hängen vier Angelleinen. Monika erzählt von kapitalen Thunfischen, die den Männern der Crew immer wieder an den Haken gehen. Bis jetzt hat noch keiner angebissen, doch wenn der Thunfischaufstrich von gestern Abend so zustande kam, dann bitte weiter fischen, meine Herren: Der war KÖSTLICH.

A propos, ich geh’ jetzt mal essen.

Bis morgen.


27. Oktober 2006

Die Nacht war ruhig, der Seegang mäßig und so haben wir alle zum ersten Mal seit fast einer Woche durchgeschlafen. Gut ausgeruht sind wir schon bei Sonnenaufgang an Deck. Noch früher aufgestanden ist offenbar ein Tölpel, der sich vor unseren Augen sein Frühstück aus dem Meer holt. Der Seevogel macht Jagd auf Fliegende Fische, die von der Bugwelle der Atlantis aufgescheucht werden. Mit angelegten Flügeln stürzt er wie ein Speer ins Wasser und kommt mit einem fetten Happen seiner Leibspeise wieder an die Oberfläche.

Kurz nach Mittag ist es dann soweit. Wir dürfen zum ersten Mal ins U-Boot steigen. Zunächst führt Sean, ein PIT (Pilot im Training), die Neulinge paarweise um das Tauchboot und erläutert dabei einige wichtige Einrichtungen an der Tauchmaschine. Immer wieder habe ich mir in den letzten Wochen vorgestellt, was passiert, wenn die Alvin mit einem ihrer runden Fenster gegen einen Felsen am Grunde der Tiefsee kracht. Erleichtert sehe ich jetzt, dass vor jeder der drei Fensterluken drei Zentimeter dicke Plexiglasscheiben montiert sind, die das Fensterglas schützen. “Irrtum,” erklärt Monika, “die schützen die Scheiben nur an Deck und werden vor dem Tauchgang abgenommen.”Um das mulmige Gefühl nicht wieder hochkommen zu lassen, beruhige ich mich damit, dass die “Fenster” an den beiden Seiten mit etwa zwölf Zentimeter Durchmesser doch ziemlich klein sind. Nur die Luke des Piloten vorne in der Mitte des Bootes ist etwas größer. Dann klettern wir die Leiter hoch, die zur Einstiegslucke führt. Sabine erhält ihre Einweisung zusammen mit Sigrid, darauf folgen Bettina und ich. Wie ihre großen Verwandten wird auch das Mini-U-Boot Alvin durch einen Turm bestiegen. Von dessen Rand steige ich etwa drei Meter hinunter bis zum Boden der U-Boot-Kapsel und konzentriere mich darauf, in dem engen Abstieg die Griffe und Tritte nicht zu verfehlen. Unten wartet bereits Pilot Gavin auf die Novizen. Auf meine Frage, wo es denn jetzt weiter gehe, antwortet Gavin: “Gar nicht, setz dich da hin” und er weist auf eine winzige Nische in der Wand des U-Bootes. Hunderte Knöpfe und Schalter verhindern ein einigermaßen bequemes Zurücklehnen. “Bloß nirgendwo ankommen,” denke ich hektisch und versuche meine Beine so zu ordnen, dass auch Bettina, die jetzt nachkommt, noch “Platz” hat.

Es ist WIRKLICH ENG in der Alvin. Doch zu meiner Überraschung löst diese Enge keine klaustrophobischen Gefühle aus; ich fühle mich eher geborgen, wie in einer schützenden Höhle. Gavin erklärt die lebensnotwendigen Einrichtungen der Alvin. Ich versuche ihm zu folgen, bin aber stark abgelenkt vom Innenleben des Tauchbootes. Keine Handbreit ohne Knöpfchen, Schalter oder Anzeige. Wir Gäste unter den Tiefseetauchern erhalten die Veranwortung für die Steuerung der insgesamt sieben Videokameras und Fotoapparate zugedacht, die außen an der Alvin angebracht sind. Sigrid stellt erleichtert fest: “Bin ich froh, dass ich hier nur ein halbes Dutzend Schalter bedienen muss. Die sind überschaubar und außerdem haben wir ja noch zwei Stunden Zeit uns mit der Bedienung wirklich vertraut zu machen, während das U-Boot dann bei unserem Tauchgang langsam zum Meeresboden sinken wird.”Auch wenn dieses “Trockentraining” mit einem wirklichen Tauchgang nicht zu vergleichen ist, habe ich doch etwas weiche Knie, als Bettina und ich auf das Deck der Atlantis und damit auf “festen” Boden zurückkehren. Und Sabine, die schon einmal mit der Alvin getaucht ist, meint erstaunt: “Dass es SO eng ist da drinnen, hab ich wohl schon verdrängt.” Wirklich cool ist nur Monika; nach acht Tauchgängen weiß sie aber auch schon sehr genau, was auf sie zukommt. 

             

                                          Besprechung vor Alvins Garage                                  Bettina und Gavin in der Alvin


28. Oktober 2006

Heute ist der vierte Tag auf See und nachdem nun alle am Schiff die anfängliche Seekrankheit überstanden haben, liegt nun leider unser Journalist Andi mit Grippe in der schwankenden Kajüte. Damit ihr trotzdem weiter auf dem Laufenden bleibt, erzählen wir (Sigrid und Bettina) euch etwas über unsere heutigen Eindrücke auf der Atlantis.

Obwohl wir schon vier Tage auf dem offenen Meer unterwegs sind und das Schiff mit relativ hoher Geschwindigkeit fährt, haben wir unser Ziel, 9°N, noch nicht erreicht. Rund um uns ist nur mehr tiefblaues Meer und wenn man in der Nacht an Deck geht, ist weit und breit kein Licht zu sehen außer jenes der Sterne. Da wir nicht den Äquator überqueren, sind die Sternbilder, die man entdecken kann, fast wie bei uns, nur dass man viel, viel mehr Sterne erkennen kann. Und wer geduldig genug den Nachthimmel beobachtet, kann auch einige Sternschnuppen vom Himmel fallen sehen. Ganz schön klein kommt man sich dann vor.

Während dieser langen Fahrt können keine Tauchgänge stattfinden, aber die Vorbereitungen dafür sind in vollem Gange. Während die Alvin-Piloten die gesamte Technik des U-Boots überprüfen, basteln wir und die anderen WissenschafterInnen an den jeweiligen Tiefsee-Experimenten. Doch darüber werden wir euch in den nächsten Tagen mehr erzählen.

Wir sitzen gerade im so genannten Hydrolabor, eines der kleineren Labors auf der Atlantis, am Hauptdeck. Zusätzlich gibt es auf dieser Ebene noch ein kleines Nasslabor, einen Computerraum und einige Werkstätten. Der größte Raum ist jedoch das Hauptlabor. Dort haben sich bereits die anderen wissenschaftlichen Gruppen eingerichtet. In den Labors gibt es nur die Basiseinrichtung, wie Arbeitsplätze, Kühlschränke, und viele Kästen, die bei hohem Seegang verhindern, dass Arbeitsmaterialien durcheinander geraten. Da bereits alle Gruppen ihre Arbeit aufgenommen haben, sieht es inzwischen in allen Labors schon etwas chaotisch aus, denn viele Arbeitsplätze sind nun mit kompliziert aussehenden Geräten belegt. Jeder WissenschafterIn muss alle an Bord benötigten Arbeitsmaterialien selbst mitbringen.

Auch wir haben uns im Hydrolabor schon häuslich eingerichtet und die Schränke mit diversen Materialien wie Pipetten, Objektträgern, Spritzen, usw. gefüllt. Unsere Mikroskope, sowie andere wissenschaftliche Geräte, die auf den Tischen stehen, mussten vor Abfahrt mit Seilen gesichert werden, um zu verhindern, dass sie während der schaukelnden Fahrt von den Tischen rutschen.

Im Deck unter uns befinden sich die Kajüten für einen Teil der WissenschafterInnen. Zwei bis drei Personen finden in einer Kabine Platz, wobei sich zwei nebeneinander liegende Zimmer ein kleines Bad teilen. Man schläft in Stockbetten, um die man einen Vorhang ziehen kann, nicht nur um etwas mehr Privatsphäre zu haben, sondern auch um beim Schlafen nicht von Zimmerkollegen gestört zu werden, da die Arbeitszeiten oft unterschiedlich sind.

Die Bewegungen des Schiffes wiegen uns jeden Abend sanft in den Schlaf. Und während der Nacht verliert man leicht jegliches Zeitgefühl, denn in der Früh ist es genauso dunkel wie am Abend, da es auf diesem Deck keine Fenster gibt.

Unterhalb unseres Schlafgemachs befindet sich nur noch der Maschinenraum, in dem die Motoren Tag und Nacht auf Hochtouren laufen. Doch an deren Geräusche haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Normalerweise ist der Maschinenraum für WissenschaferInnen an Bord nicht zugänglich, aber wir werden versuchen eine kleine Erkundungstour zu ergattern, um Euch ein anderes Mal davon erzählen zu können.


29. Oktober 2006

Hallo!

Hiermit meldet sich der kurz erkrankte Andreas zurück. Sieht so aus, als würde Grippe in den Tropen schneller heilen. Aber vielleicht liegt es auch an der Fürsorge von vier Wiener Meeresbiologinnen, dass ich heute schon wieder für Euch das daily log schreiben kann.

Wir sind dabei, uns auf der Atlantis einzuleben und machen gute Fortschritte. So finden wir beispielsweise schon von jedem Labor aus den kürzesten Weg in die Kantine, oder wissen, welcher Computer uns über Internet mit dem Rest der Welt verbindet. Wir alle lernen schnell, diese neue kleine Welt für uns zu strukturieren und finden heraus, wie dieses schwimmende Universum funktioniert. Monika, Sabine, Sigrid und Bettina sind mit der neuen Umgebung offenbar schon so vertraut, dass sie bereits an das Leben danach denken: Sie lernen fleißig Spanisch. Mittlerweile kennt man die Gesichter der Crew und der anderen Arbeitsgruppen; von den meisten weiß man schon, wie sie heißen, von einigen sogar, was ihre Aufgabe bei dieser Expedition ist.

Das gegenseitige Kennenlernen sehr gefördert, hat heute das erste so genannte “Science meeting”, das gerade in der Bibliothek stattgefunden hat. Andreas Thurnherr, wissenschaftlicher Leiter der Expedition und die Chefs der verschiedenen Arbeitsgruppen haben ihre Forschungsprogramme vorgestellt. Natürlich haben all diese Programme ein gemeinsames Ziel: die Erforschung der Lebensgemeinschaften in der Tiefsee. Alle wollen wissen, wie Leben an diesen Nahtstellen der Erdkruste funktioniert.

Die große Abgeschiedenheit des Untersuchungsgebietes erfordert größte Genauigkeit bei der Planung der einzelnen Tauchgänge. Hier darf wirklich nichts dem Zufall überlassen bleiben oder der Hoffnung, dass “es schon irgendwie gehen wird”. Piloten und Wissenschaftler sind bei den Tauchgängen ausreichend damit beschäftigt ihre wohlüberlegten Programme abzuwickeln; was nicht vorbereitet wurde, findet nicht statt.

Sie alle werden von Yuris Arbeit profitieren. Mit seinem Team ist es dem Ozeanographen gelungen, Karten zu erstellen von den Forschungsgebieten in der Dunkelheit der Tiefsee. Für die Orientierung ist das unglaublich wichtig. Denn vom U-Boot aus sieht man – obwohl man dem Meeresgrund so nahe ist – immer nur einige Meter weit, so weit wie es den Scheinwerfern gelingt, die ewige Nacht in 2500 Metern Tiefe auszuleuchten.

Nach den schnellen Sonnenuntergängen in der Nähe des Äquators ist es auch rund um die Atlantis vollkommen finster. Anfangs hat man ein mulmiges Gefühl, wenn das Schiff mit unverminderter Geschwindigkeit in die schwarze Nacht hineinrauscht; etwa so, als würde man in der Nacht ohne Scheinwerfer mit dem Auto fahren. Doch auf der Brücke der Atlantis ist man stets über die genaue Lage des Schiffes unterrichtet. Mittels des so genannten GPS (Global Positioning System) kann die Lage der Atlantis SEHR genau angegeben werden. So genau, dass der 1. Offizier heute Nachmittag auf meine Frage, wo sich das Schiff denn gerade befindet, mit einer Gegenfrage antwortete: “Was meinst du mit Schiff? Heck oder Bug?”


30. Oktober 2006

Angesichts der hervorragenden Küche auf der Atlantis sprechen manche von uns schon davon abnehmen zu wollen, sobald sie wieder daheim sind; andere werden sogar schon jetzt aktiv. Sie spielen Tischtennis, verlieren Kalorien und gewinnen Matches. Sabine schlägt gleich im ersten Spiel Jerry, den Ping-Pong-King der Crew. Monika verliert auch nur gegen sich selbst: Sie verreisst sich den Rücken. Nun hat sie leichte Schlagseite, ganz unabhängig von der Lage des Schiffes.

Gerüchte besagen, dass irgendwo im tiefen Inneren der Atlantis weitere Sportgeräte stehen sollen. Man hört von einem Laufband, sogar von einer Rudermaschine. Die Foltergeräte sind in erster Linie für die Crew, denn die MUSS fit bleiben. Aber auch auf den unzähligen Decks kann man unvermutet auf einen tätowierten Körper stoßen, der sich vermeintlich unbeobachtet auspowert.

Matrose Raul's work out

Die Reling wird zum Reck, Kisten werden als Step-Treppchen verwendet.Raul nutzt für sein tägliches “body work out” mit Vorliebe das Deck vor der Brücke. Dieser Platz ist bei den romantischen Gemütern an Bord besonders beliebt in den Abendstunden, wenn nach kurzer Dämmerung die Sonne zwischen Wolken am Horizont versinkt. Jetzt, in der prallen Mittagssonne muss sich der Matrose dieses Deck nur mit den Containern für hochgiftige Chemikalien teilen. Manche Stoffe sind in der Meeresbiologie zwar unverzichtbar, doch so giftig, dass sie nicht unter Deck gelagert werden dürfen. Giftgase könnten austreten, die ätzend wirken oder gar zu Explosionen führen. So ein Fall wäre schon an Deck schlimm genug, doch im Inneren des Schiffes mit Sicherheit eine Katastrophe. Doch obwohl die Chemie-Container im Freien stehen, kann man nicht einfach die Metalltür öffnen und hineinspazieren. Mindestens fünf Minuten vor dem Betreten muss ein starker Luftabzug gestartet werden, der dafür sorgt, dass die Luft beim Eintreten in den Container rein ist.

Sicherheit ist auf der Atlantis oberstes Gebot und auf den richtigen Umgang mit giftigen Substanzen wird besonders geachtet. In den “scientific labors” finden sich kaum Gefäße aus Glas. Besonders mit schwankendem Schiffsboden unter den Füßen passiert es leicht, dass jemand ein Laborgefäß mit ätzender oder gar Krebs erregender Flüssigkeit zerstört. Wo immer es möglich ist, wird Glas daher durch bruchsicheres Plastik ersetzt. Schon Wochen vor der Abreise aus Wien hatte Expeditionsleiterin Monika endlose Listen verfasst. Die Eigner der Atlantis in Woods Hole wollten ganz genau wissen, welche Chemikalien von Wien aus aufs Schiff gehen sollten. Die gewaltige Menge der für wissenschaftliche Versuche benötigen Chemikalien wurde dann noch beträchtlich vermehrt, weil für jeden der Stoffe eine Art “Gegengift” mitgebracht werden musste. Die so genannten “spill control kits” bestehen aus einer saugenden Substanz, die Holzspänen ähnlich ist und Stoffe enthält, die verschüttete Chemikalien neutralisieren können.

Wenn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gefährliche Chemikalien verschüttet werden, muss das Missgeschick sofort an die Brücke gemeldet werden. Von dort erhält dann ein Techniker den Befehl, die komplette Klimaanlage auszuschalten. Eine Klimaanlage in Betrieb würde nämlich die freigesetzten giftigen Dämpfe in alle Räume des Schiffes weiterleiten. Nach Gebrauch werden wir die Chemikalien sammeln und im mexikanischen Hafen Manzanillo von Bord bringen.

Chemikalien im Kuehlschlrank


31. Oktober 2006

Die Nacht war kurz. Denn seit gestern Abend wurde der Wellengang stetig stärker. Die Schiffsbewegungen glichen einigen Stunden einer Achterbahn. Alle paar Sekunden wurden wir aus den Betten gehoben, um sofort darauf zurück in die Matratze gepresst zu werden. Das Dröhnen des gegen die Bordwand schlagenden Ankers raubte uns den letzten Schlaf. Der Vorteil eines/r erfahrenen Gruppenleiters/in ist es, eine Kabine auf einem Oberdeck zu haben und nicht wie wir StudentInnen im Unterdeck. Deswegen hat Monika von dem ganzen Lärm nichts mitbekommen und konnte frisch und munter in aller Früh ein spektakuläres Gewitter am Horizont beobachten.

Die Wellen, der Lärm und die hartnäckige Verkühlung sind wohl auch der Grund, warum Andi, unser Journalist, heute den ganzen Tag mit fahlem Gesicht durch die Gänge geschlichen ist. Also sind wir (Sigrid, Sabine und Bettina) heute wieder eure Berichterstatter.

Endlich haben wir unser erstes Ziel erreicht: 9° 30´Nord, 104° 54´West. Ihr könnt die Position der Atlantis am Internet ganz genau verfolgen:

http://www.sssg.whoi.edu/atlantislog.jpg

Ein wichtiger Teil der Forschung, die auf dieser Reise stattfindet, beschäftigt sich mit den Strömungsverhältnissen der Tiefsee bei den vulkanischen Gebirgen. Diese sind noch weitgehend unbekannt. Für die Verbreitung der Tiere ist die Strömung ein sehr wichtiger Faktor, weil die meisten Tiere der heißen Quellen ihre Nachkommen als kleine Larven ins Wasser entlassen. Diese werden von der Strömung verdriftet. Zur Untersuchung der Strömungsverhältnisse werden sogenannte MOORINGS versenkt. Ein Mooring ist ein mehrere hundert Meter langes Stahlkabel, das mit einem schweren Gewicht (über eine Tonne) am Boden verankert wird. An diesem Seil sind in verschiedenen Höhen Strömungsmessgeräte, Temperaturfühler und Salinitätsmessgeräte angebracht, die elektronisch die Daten speichern. Am oberen Ende des Seils befinden sich Glaskugeln, die zum Schutz in gelbes Plastik verpackt sind, und als Schwimmkörper dienen. Das erste Mooring wurde heute Abend mit einem Kran im Wasser versenkt. Dieses bleibt nun für ein Jahr am Ozeanboden und wird erst dann wieder geborgen, um die gewonnenen Daten auszuwerten. Das war heute kein einfaches Unterfangen, weil nicht nur auf der Brücke gearbeitet werden muss, um das Schiff in Position zu halten, sondern auch 6 Personen an Deck gebraucht werden.

Das Deck ist voll davon                           Ein Mooring wird versenkt

Natürlich waren wir neugierig und wollten das ganze aus nächster Nähe beobachten, so wie viele andere WissenschafterInnen, die dieses Spektakel auch noch nie gesehen haben. Deswegen waren heute auch mehr Zuschauer als Arbeiter auf dem Deck.

Morgen gibt es den ersten Tauchgang mit der Alvin. Wir freuen uns schon darauf euch davon berichten zu dürfen.


1. November 2006

Heute ist es soweit: Alvin taucht zum ersten Mal auf dieser Expedtion zum Meeresgrund.

Es ist sechs Uhr, der Morgen dämmert und es schuettet, wie das nur in den Tropen moeglich ist. Techniker führen am U-Boot die letzten Kontroll-Checks durch. Nach etwa eineinhalb Stunden setzt sich Alvin dann auf Schienen sanft in Bewegung und gleitet aus ihrer Garage hinaus auf das Achterdeck. Dort noch ein kurzer Stop. Auf beiden Seiten erhält das Tauchboot eine ordentliche Packung Metallplatten angehängt; eine einfache, aber sehr wirkungsvolle Maßnahme für schnelleres Abtauchen. Dieses rohe Metall wird auf dem Meeresgrund bleiben; der Pilot wirft es vor dem Auftauchen einfach ab.

Heute ist Pat der Pilot. Bei den kommenden Tauchgängen wird sich der Chef-Pilot mit Bruce und Gavin abwechseln. Auch Sean und Mike, die beiden PITs (Pilots in training) werden bald zu den “richtigen” Piloten zählen.

Mit der Metalllast an den Seiten gleitet Alvin weiter bis unter den A-Frame, einen gut zehn Meter hohen bogenförmigen Kran an der Bordkante.

Quer über das Achterdeck ist eine dicke gelbe Linie gezogen. Dahinter drängen sich trotz Tropenregens alle, die nicht gerade irgendwo unabkömmlich sind. Den Start zum ersten Tauchgang will keiner versäumen. Jenseits der gelben Linie, dort wo der riesige A-Frame steht, ist absolute Tabuzone für alle, die nicht zur Mannschaft gehören. Dicke Schläuche mit Hydraulikflüssigkeit laufen die Arme des Krans entlang. Wenn so ein Schlauch platzt, sollte man möglichst weit entfernt sein…

Ein Techniker klettert auf den Kran und hängt ein Tau ganz oben an den Turm der Alvin.

Gleichzeitig wird an der Steuerbordseite ein Schlauchboot mit kräftigem Außenbordmotor und zwei Mann Besatzung zu Wasser gelassen. Sie sollen das Abseilen der Alvin vom Meer aus kontrollieren.

Nach Pat steigt Chief Scientist Andreas Thurnherr ins Tauchboot, gefolgt von PIT Mike.

Der Techniker schließt die Luke, steigt auf den Rücken der Alvin und der A-Frame schwenkt mit seiner Last über die Bordkante hinaus. Langsam senkt sich die Alvin, setzt auf dem Wasser auf und schwimmt endlich. Eine Hand an dem armdicken Tau, telefoniert der Techniker mit dem Piloten. Heute ist er der so genannte “Diver”, der sich nochmal davon überzeugt, dass alles in Ordnung ist, dann das Telefon versorgt und kopfüber ins Wasser springt. Nicht weiter schlimm, das hat heute morgen 28° Celsius, um drei Grad mehr als die Luft. In einer eleganten Kurve kommt das Schlauchboot breitseits zur Alvin und nimmt den “Diver” auf.

Dann sinkt die Alvin. Tauchgang Nummer 4259 hat begonnen.

Acht Stunden lang dringen drei Menschen nun in eine Welt ein, die bis vor kurzem noch völlig unbekannt war. Durch ihre mutige Forschungsarbeit helfen sie mit, dass wir immer mehr über die Geheimnisse der Tiefsee erfahren.

Morgen werden wir von diesem ersten Tauchgang ausführlich berichten.

Tagsüber läßt der Regen nach. Mehrere Singvögel flattern am Deck der Atlantis herum. Möglicherweise hat sie der Sturm letzte Nacht verweht. Sie wirken müde und suchen nach Futter. Ein Falke, der bereits gestern am A-Frame neue Kraft getankt hat, kreist wieder um das Schiff. Er hat die kleinen Vögel längst entdeckt…

PS: Unsere Adresse für die nächsten drei Wochen lautet: 09°29,7626’ Nord, 104°14,6324’ West. Falls jemand kurz vorbei schauen möchte…

        

                                                          Metallgewichte fuer Alvin                               Alvin wird ins Meer gehoben

                                                                                    Monika mit Greifarm von Alvin


2. November 2006

“Etwas nervös bin ich schon,” gesteht Monika, als sie bereits um sechs Uhr morgens beim Tauchboot ist und gemeinsam mit Sabine, Sigrid und Bettina noch einmal die Geräte prüft, die in 2500 Metern ausgesetzt werden sollen. Doch kurz vor dem Einsteigen ins Boot überwiegt bereits die Vorfreude auf das Abenteuer. Mit im U-Boot ist Carly Strasser. Genau wie die Atlantis und Alvin ist Carly in Woods Hole zu Hause. Pilot ist heute Gavin. Innerhalb weniger Minuten hievt die eingespielte Crew der Atlantis Alvin ins Wasser. Die beiden Diver springen ab und pünktlich um acht Uhr verschwindet der rote Turm von Alvin in den sanften Wellen des heute wirklich angenehm stillen Ozeans. Für Monika beginnen acht eher ungemütliche Stunden im furchtbar engen Innenraum des U-Boots.

Sabine, Sigrid und Bettina nützen die Zeit. Sie checken nochmals, ob alle Vorbereitungen für die Übernahme der wissenschaftlichen Proben aus der Tiefsee richtig getroffen sind, dann basteln die drei Freundinnen ein Poster mit dem sie Monika bei ihrer Rückkehr überraschen wollen. Neben Röhrenwürmern und Muscheln, zeichnet Bettina einen Vulkan. Nicht ohne Grund, denn irgendwann zwischen Februar und April ist im Untersuchungsgebiet ein Vulkan ausgebrochen und hat dort, wo Monika sich gerade befindet, so ziemliche alle Strukturen zerstört. Die Piloten müssen sich beim Navigieren jetzt wieder völlig auf ihre Instrumente verlassen. Vor dem Vulkanausbruch konnten die besonders erfahrenen unter ihnen auf Sicht fahren. Das heißt, sie waren mit dem Meeresgrund in 2500 Metern Tiefe so gut vertraut, dass sie sich an “landmarks” orientieren konnten. Das konnte sein: ein markant geformter “black smoker”, ein tiefer Graben oder ein besonders dichtes Büschel von Röhrenwürmern. Nun ist das nicht mehr möglich, denn die Eruption hat praktisch alle großen Strukturen in der Tiefe zerstört.

Für die BiologInnen ist das natürlich beides: Einerseits ein Verlust von wohl bekannten und schon gut untersuchten Fundstellen der Tiefseefauna, andererseits aber auch die Gelegenheit, die Neubesiedelung von jungem Tiefseeboden von Anfang an mitzuverfolgen. Zum Studium dieser Besiedelungsvorgänge bieten die Wiener Biologinnen, den nachwachsenden Lebewesen einen künstlichen Ort zum Aufwachsen an. Einen Ort, der ihrem natürlichen Substrat zum Verwechseln ähnlich ist, der aber mit Hilfe von Alvin wieder geborgen und wissenschaftlich ausgewertet werden kann. Sabine kam auf die Idee, klassische “Küchenwaschl” auszulegen. Ihr Forschungsgebiet ist die so genannte Meiofauna, das sind winzige Lebewesen, kleiner als 1 mm. Viele Würmer zählen zu dieser Meiofauna und Sabine ist sehr zuversichtlich, dass sich viele von ihnen in die Kunststoffwaschl verirren. Bereits Anfang Juli dieses Jahres, also bereits wenige Monate nach dem Vulkanausbruch, wurden einige von Sabines Meio-Fallen am Meeresgrund festgemacht. Monika wird sie von ihrem heutigen Tauchgang mitbringen. Sabine ist daher nicht weniger gespannt als Monika im U-Boot. Nicht auszuschließen, dass in einem schlichten Küchenwaschl eine neue Art ans Tageslicht kommt, ein Wurm etwa, oder eine Krebsart, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat.

Monikas Hauptinteresse gilt den Röhrenwürmern. Bis zu 2 Meter lang werden diese Bewohner der ewigen Nacht und schon ihre Larven sind voller Geheimnisse. Um die Rätsel der ganz jungen Röhrenwürmer zu lösen, hat auch Monika eine geniale Fangmethode entwickelt. Die so genannten “Babyfallen”. Mit Hilfe dieser würfelförmigen Dinger aus Plexiglas hat Monika schon jetzt so viel über die Entwicklung der Röhrenwürmer entdeckt, dass dieses Wissen in “Nature”, dem bedeutendsten Wissenschaftsmagazin der Welt veröffentlicht wurde.

Was Monika über die Würmer herausgefunden hat und was sie mit den im Juli exponierten Babyfallen und Waschln mit nach oben bringt, erfahrt Ihr morgen im daily log.

 

     

                                                 Monika und Alvin                                                      Gavin und Monika


3. November 2006

Monika steigt aus dem Tauchboot und jubelt uns zu. Auch wenn es nicht ihr erster Tauchgang mit Alvin war, ist sie sichtbar erleichtert, dass alles gut gelaufen ist.

“Es war großartig! Einige Stellen, an denen wir es nicht erwarteten, sind schon wieder recht dicht besiedelt. Nicht mehr mit den ganz großen Röhrenwürmern, aber dafür mehr, als wir dachten. Wir haben ein paar Exemplare eingesammelt. Ich muß jetzt gleich zu den Proben, die wir heraufgeholt haben”.

Sobald Alvin in ihrer Garage steht, wird die Beute aus der Tiefsee unter den am Tauchgang beteiligten Teams aufgeteilt. Die Sammelbehälter sind vorne an der Alvin auf einer kleinen Ladefläche angebracht, so dass der Pilot sie unter Wasser durch seine Luke sieht und mit den stählernen Greifarmen des U-Bootes öffnen, mit Proben füllen und wieder schließen kann.

Rund um die Ladefläche drängen nun alle, denen Alvin aus der Tiefe etwas mitgebracht hat. Die Wienerinnen holen aus den so genannten Bioboxes die im Juli ausgelegten Küchenwaschln aus Kunststoff und die Babyfallen. Die gesamte Beute kommt sofort in Eimer mit 2 Grad kaltem Wasser. In warmem Wasser würden die bereits toten Tiere schnell verwesen und die noch lebenden sehr bald sterben. Sobald die letzte Biobox leer ist, geht es mit den Eimern im Laufschritt hinein in die Labors. Mit gut 60 Quadratmetern ist der Arbeitsraum der Wiener Meeresbiologinnen das zweitgrößte von fünf Labors auf der Atlantis.

Sigrid macht sich sofort über die Babyfallen her. Vorsichtig löst sie die fünf Zentimeter langen und fünf Millimeter dicken Plexiglasscheiben voneinander. Jeweils zehn Scheibchen sind aufeinander gelegt und bilden zusammen einen perfekten Würfel von fünf Zentimetern Seitenlänge. In die große Oberfläche der Scheibchen sind von den Rändern her viele feine Rillen gefräst. Übereinander gelegt, bilden die Scheibchen einen Würfel und die Rillen ragen als ganz feine Löcher in den Würfel hinein. Eine Einladung für die Larven der Röhrenwürmer, da hinein zu schlüpfen und mit dem Aufbau einer Röhre zu beginnen. Und wirklich: Sigrid klaubt junge Würmchen von den Babyfallen, keines länger als einen halben Millimeter, aber dafür unzählige.

Gleich neben Sigrid spült Sabine vorsichtig die Vertreter der Meiofauna von den im Juli ausgesetzten Küchenwascheln. Die erste Sichtung der Proben überrascht Sabine. Von den erwarteten Copepoden (Ruderfußkrebse), ist nicht ein einziger zu finden. Dafür mehrere unterschiedliche Würmchen. Und wahrscheinlich ist sogar auch eine neue Art dabei! Ein namenloser rosaroter Strudelwurm einer Art, die wohl noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Strudelwürmer, die bei uns in Österreich vorkommen sind meist dunkel gefärbt. Sie leben in Bächen und Seen und an der Unterseite von Steinen kann man sie leicht entdecken. Diesen hier hat Sabine sicher noch nie gesehen. Obwohl sie als Spezialistin für die kleinen Lebewesen an den “hot vents” die bisher entdeckten Arten sehr genau kennt, will sie in Wien nochmal sämtliche Listen der bereits beschriebenen Arten prüfen, bevor sie endgültig die Entdeckung einer neuen Art feiert.

Bettina und Monika untersuchen einige größere Exemplare der Röhrenwürmer. Es ist nicht ganz leicht, die glibbrigen Leiber aus ihren Röhren zu ziehen. Eine harte Pinzette würden das zarte Gewebe schnell zerstören. Doch nach unzähligen Präparationen hat Monika längst die geeignete Methode gefunden: Sie zwickt das untere Ende der Röhre ab - und bläst den Wurm von hinten aus seiner bis dahin schützenden Hülle. So, als würde sie ein Osterei ausblasen.

Das Schwanken des Schiffes erschwert die Arbeit am Mikroskop und langsam kommt auch Müdigkeit auf am Pazifik. Doch bestimmte Arbeitsschritte müssen einfach gleich getan werden. Bereits am nächsten Tag können manche Proben so verändert sein, dass ganz andere Werte bei der Untersuchung herauskämen.

So ist es bereits fünf Uhr Morgen als die Naturforscherinnen endlich das Labor verlassen und am nächsten Tag das Mittagessen zum Frühstück erklären.

        

                                        Eine der schweren Labortueren                                Roehrenwurm Tevnia


4. November 2006

Heute berichtet Euch Bettina von ihrem ersten Tauchgang mit Alvin:

Die Nacht war noch ein wenig unruhig und am Morgen war ich noch sehr gespannt. Doch beim Einsteigen ueberwog dann schon das anregende Gefuehl, dass da ein einmaliges Abenteuer auf mich zukommt.

Nach dem Absetzen und Losloesen vom Kran sind wir noch ziemlich lang auf den Wellen geschaukelt. Dann ging aber alles sehr schnell. Ich glaube, es hat keine vier Minuten gedauert und rund um uns war schwarze Nacht.

Pilot Pat und ich haben beim Abtauchen viel gescherzt mit Lauren, einer Meeresbiologin von Woods Hole. Lauren beschaeftigt sich besonders mit den Larven der Tiere an den hot vents. Sie untersucht, wie sich Tiere in diesen jungen Stadien in der Tiefsee verbreiten.

Die erste halbe Stunde nach dem Abtauchen war es fast unertraeglich heisz. Doch das herrliche Schauspiel von Tieren, deren Biolumineszenz hell aufleuchtete hat uns gut abgelenkt. Eine weitere halbe Stunde spaeter war ich bereits froh, drei Pullis mit dabei zu haben. Monikas Warnung war berechtigt. Die Temperatur in der Alvin sinkt rasch auf unter 16 Grad, das ist sehr unangenehm, wenn man nicht genug warme Kleidung mit hat, weil man sich im U-Boot ja kaum bewegen kann.

Dann hat der Tiefenmesser 750 Meter angezeigt und ich habe innerlich gejubelt. In diesem Moment hatte ich naemlich meinen persoenlichen Rekord im Tieftauchen eingestellt. Mit einem anderen Tauchboot war ich bereits in einer Tiefe von 750 Metern. Was nun folgte, war ein Rekordmeter nach dem anderen.

50 Meter ueber Grund warf Pat die Haelfte des Gewichtes ab und tariert das Tauchboot so aus, das es von nun an von selber weder aufstieg noch weiter absank.

Anfangs hatte ich nicht die geringste Orientierung. Es dauerte gut eine Stunde, dann begann ich Strukturen zu erkennen und hatte die verschiedenen Kameras soweit im Griff, dass es mir gelang schoene Fotos zu machen.

Nach etwa vier Stunden wurde mir zum ersten Mal so richtig bewuszt: Ich befinde mich in einer Tiefe von 2500 Metern! Viel tiefer als je zuvor.

Ich habe Fische dort unten gesehen, sagenhaft viele unterschiedlich geformte Tiefseefische. Ich waere gern noch laenger unten geblieben, doch nach acht Stunden wird man ploetzlich so muede, dass ich beim Aufsteigen sogar kurz eingeschlafen bin.

Wieder auf der Atlantis, haben mir meine lieben Kolleginnen einen Empfang bereitet, der mit genauso gut in Erinnerung bleiben wird, wie dieser einmalige Tauchgang....

          

                                               Bettina vor ihrem ersten Tauchgang                 Tevnia, Roehrenwuermer

                                                                                       Ueberraschung fuer Bettina


5. November 2006

Heute wollen wir Euch die Crew der Atlantis vorstellen. Ganz oben, auf der Bruecke ist das Reich von Kapitaen Chiljean. Er traegt die Verantwortung und hat am Schiff das letzte Wort. Ihm zur Seite stehen drei Mates. Tatsaechlich sind sie es, die im Schichtdienst das Schiff steuern. Oft machen sie Extradienste und sind beispielsweise mit dabei im Schlauchboot, wenn die Alvin ins Wasser gelassen oder herauf geholt wird. So unterstuetzen sie die Matrosen an Bord, die fuer alle handwerklichen Arbeiten an Bord zustaendig sind, abgesehen von der Wartung der Motoren. Fuer diese starken Maschinen gibt es eigene Ingenieure und Mechaniker.Das leibliche Wohl der rund 50 Menschen an Bord liegt in den Haenden von zwei Koechen, die fuer drei warme Mahlzeiten pro Tag sorgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn Ihr Fragen habt zur Crew der Atlantis, richtet sie bitte an:

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6. November 2006

Da die Larven vieler Organismen der Tiefsee nicht von selber in eine bestimmte Richtung schwimmen koennen, haengt ihre Verbreitung ganz stark von den Stroemungen des Wassers ab. Wie schon berichtet, bringen Andreas Thurnherr, der wissenschaftliche Leiter dieser Expedition und sein Team einige Moorings mit allerhand unterschiedlichen Messgeraeten aus, die der Erforschung der Meeresstroemungen dienen.

Auf einem ganz anderen Weg will Jim Ledwell die Stroemungen und damit die Bewegung der Larven nachvollziehen. Jim hat einen so genannten Tracer entwickelt. Dieser Tracer hinterlaeszt Spuren im Wasser, mit deren Hilfe Jim die Meeresstroemungen nachvollziehen moechte.

Der “East Pacific Rise“, in dem das Untersuchungsgebiet unserer Expedition liegt, ist ein Gebirgszug auf dem Meeresgrund. Seinem Gipfelgrat entlang zieht sich ein Graben, der etwa acht bis zehn Meter tief ist. Dort drinnen befinden sich die „black smokers“ und auch mit meisten Tiere. Also werden auch die Larven von hier aus in das Meerwasser abgesetzt. Jim und sein Tracer werden nun mit Alvin diesen Graben einige hundert Meter entlangfahren und eine Schwefelverbindung ins Wasser abgeben, die noch in auesserst geringer Konzentration gemessen werden kann. Der Trick dabei ist, diese Substanz nur in einer ganz bestimmten und sehr niedrigen Wasserschichte auszustoszen. Dafuer aber sehr regelmaeszig.

In etwa 40 Tagen, also noch in diesem Jahr, werden Jim, die Atlantis und Alvin wieder an den Ort zurueckkehren, an dem sie nun ihre chemischen Spuren ins Wasser absetzen. Sie werden Wasserproben nehmen und Jim hofft, dass die Schwefelsubstanz in manchen Proben deutlich staerker konzentriert sein wird als in anderen. Wenn Jim diese „Wolken“ tatsaechlich findet, erhaelt er wertvolle Daten, die dann weiter berechnet werden.

Andreas und Jim schicken ihre Messdaten naemlich gemeinsam an einen Mathematiker. Der errechnet aus den unzaehligen Informationen mithilfe leistungsfaehiger Computer Modelle, die zeigen, wie die Stroemungsmuster an den „hot vents“ aussehen koennten.

Ihr seht, allein die Verbreitung der kleinen Larven in der Tiefsee ist eine ganz schoene Kopfnusz und es braucht eine Menge heller Koepfe, sie zu knacken.

                                    

                      James Ledwell, Woods Hole Oceanographic Institute                                   Der Tracer im Labor


7. November 2006

Im siebten Tauchgang wurde Sabine ins “kalte Wasser gestoszen“. Kurzfristig war der Tauchplan geaendert worden. Sabine wurde nicht nur sehr ploetzlich fuer einen Tauchgang eingeteilt, sie erhielt darueber hinaus auch noch die Verantwortung fuer das schwierige Unternehmen.

Schwierig deswegen, weil diese Tauchfahrt „off axis“ ging. Das heiszt im rechten Winkel weg von dem Gebirgsruecken der Bruchzone, gerade hinein ins Unbekannte. Von dieser Gegend tief unten im Meer wuszte man zuvor gerade mal, dass es sie gibt. Noch nie war ein Mensch in diesem Gebiet abseits des „East Pacific Rise“ getaucht.

Ziel der Entdeckungsfahrt war es, die Folgen des Vulkanausbruchs vor etwa einem dreiviertel Jahr zu erkunden. Gibt es noch Leben? Wenn ja, welche Organismen haben die Eruption ueberstanden? Wie weit hat sich die Lava ausgebreitet und wie hat sich dieser Basalt verteilt? Diese und noch mehr Fragen waren nur dann zu beantworten, wenn jemand dort hinunter steigt und nachsieht.

Bruce war der Pilot, Sabine zwaengte sich auf den schmalen Sitz an der Port-Seite. Das ist links in Fahrtrichtung gesehen. Wer dort sitzt, traegt die Verantwortung fuer das Unternehmen. Ihr erster Job als U-Boot-Kapitean war das Auffinden einer Pumpe, die in der Nacht zuvor von der Atlantis aus versenkt worden war.

Die Maenner an Deck hatten zwar moeglichst genau gezielt, beim Ablassen des mehrere Meter groszen Geraets. Doch durch die Bewegungen des Schiffes und des Kabels landete die Pumpe etwa 40 Meter von ihrem Bestimmungsort entfernt auf dem Meeresgrund. Unter Sabines Fuehrung griff Bruce mit den Stahlarmen des Tauchboots das Geraet und brachte es an den Rand des Grabensbruches, der sich dem Gipfelgrat entlang zieht. Dort steht die Pumpe jetzt, sammelt Larven und wird in einigen Tagen wieder hochgeholt.

Dann ging es hinaus, weg vom Graben und hinunter die Flanke des ozeanischen Gebirges. Bis zu einer Entfernung von einem Kilometer vom Grabenbruch mit seinen heiszen Quellen betraegt das Gefaelle im Durchschnitt 2 Prozent, dann faellt der Hang steil ab bis zu einer Tiefe von mehreren tausend Metern.

Sabine blickte gebannt aus der kleinen Luke von Alvin, um die Zone nicht zu uebersehen, an der die neue Lava endet und die darunter liegende aeltere Lava wieder sichtbar wird. Neue Lava ist leicht zu erkennen, denn sie ist noch nicht mit Sediment bedeckt. Sediment sind zumeist sehr feine Stoffe, die von oben auf den Meeresgrund sinken. Sie kommen entweder mit Winden vom Land her oder sind Reste von Tieren.

Nach 400 Metern Entfernung vom Grabenbruch war noch immer nichts von der alten Lava zu sehen. Nur neues schwarzes Gestein, frei von Sedimenten. Einige weisze Krabben irrten vereinzelt herum, sonst sah Sabine nur die toten Reste des Roehrenwurms Riftia. Der Vulkanausbruch musz verheerend gewesen sein, so grosz hatte sich die Ausdehnung des Lavafeldes niemand vorgestellt.

Nach 900 Metern gelangte die Alvin mit ihren staunenden Insaszen dann in eine Uebergangszone. Neue Lavasteine vermischten sich mit alten. Nun kann der Rand des Lavafeldes nicht mehr weit sein, dachte Sabine. Dann aber machte sie eine Entdeckung, die noch ueberraschender war, als die weite Erstreckung der Lavamaszen: Bei etwa 1100 Metern waren ploetzlich wieder nur neue Steine da!

Einzige Erklaerung: Der Vulkan musz auf einer viel laengeren Strecke des Grabenbruches explodiert sein, als bisher gedacht. Mehrere Lavastroeme muessen sich gekreuzt haben, als sie langsam in die unendlichen Tiefen hinunter gekrochen sind.

Hier beschlosz Sabine umzukehren. Die Tauchzeit war mit sechs Stunden an ihr Limit gelangt und auf der Rueckfahrt waren noch Proben zu nehmen. Schlieszlich faehrt man ja in diese Tiefen hauptsaechlich deshalb, weil man wissen will, wie sich die Fauna nach einem Vulkanausbruch erneuert. Und das sollen die gesammelten Steine erzaehlen.

                        

                                   Pumpe zum Einsammeln von Larven                            Alte Lava (mit Sedimenten) u. neue Lava


8. November 2006

Monika ist heute mit Alvin ueber den Trog geschwebt, der sich dem Gipfelgrat des Gebirges in 2500 Metern Tiefe entlangzieht. Diese vulkanisch aktive Rinne wird auch Axial Summit Collapse Trough genannt. Sie ist 10 bis 50 Meter breit und ihre Waende erreichen eine Hoehe von 20 Metern. Jetzt, einige Monate nach der Eruption, ist der Trog an manchen Stellen fast bis an den Rand mit Lava gefuellt, an anderen Stellen erreicht er eine Tiefe von mehr als 20 Metern. Ueber den Ostrand dieses so genannten ASCT (Axial Summit Collapse Trough) flosz Lava 200 bis 500 Meter weit die Haenge des Gebirges hinunter. Richtung Westen sogar mehr als einen Kilometer, wie Sabine gestern herausgefunden hat.

Lava ist eine Bezeichnung fuer fluessiges Gestein. Sie kann aus ganz verschiedenen Mineralien zusammengesetzt sein. Lava, die aus den Bruchzonen am Meeresboden quillt, ist ueberwiegend Basalt. Daher bestehen die Meeresboeden weltweit hauptsaechlich aus Basalt.

Lava kann in unterschiedlichen Formen zu Stein erstarren. An den mittelozeanischen Ruecken ist Kissenlava sehr haeufig. Kissenlava sieht aus wie kugel- oder wurstfoermige Blasen aus Gestein, die bis zu einem Meter grosz werden koennen. Sie entstehen bei Eruptionen mit eher geringem Auswurf an basaltischem Material, oder wenn die Lava langsam flieszt. Dann wird die Lava beim Austritt aus dem Erdinneren vom Meerwasser an ihrer Oberflaeche rasch abgekuehlt und es bildet sich eine mehrere Zentimeter dicke Schichte. Die haertet zwar ziemlich schnell aus, ist aber einige Sekunden lang noch formbar. In dieser kurzen Zeit dringt immer mehr Lava in die Blase, denn unter der Oberflaeche werden die Kissen von einem System miteinander verbundener Kanaele mit neuer Lava versorgt. So lange, bis die Blase platzt. Dann quillt neue Lava heraus, wie Zahnpasta aus der Tube und bildet sogleich ein neues Kissen, dessen Oberflaeche schnell wieder hart wird. Nach und nach erstarren die Kissen dann auch in ihrem Inneren zu Stein. So wachsen ganze Felder von Kissenlava in die Breite und auch in die Hoehe. Kissenlava kann sich viele Meter hoch auftuermen.. Auch wenn die Kissenlava nach vielen Jahren durch die Bewegungen in der Erdkruste an Land gehoben wird, ist ihre typische Blasenform ein Beweis dafuer, dass sie unter Wasser entstanden sein musz.

Die Oberflaeche der Kissenlava besteht oft aus Obsidian, einem glasartigen Gestein. Durch das rasche Abkuehlen beim Kontakt mit Wasser bleibt nicht genug Zeit, eine festgefuegte Kristallstruktur aufzubauen, daher splittert diese Schichte wie Glas.

Die Schalen verhindern auch, dass die Lava zusammenlaeuft und eine einheitliche Decke bildet. Doch wenn sehr viel Lava auf einmal austritt und noch dazu sehr rasch, ist genau das der Fall. Dann flieszt die Lava in Form einer breiten Decke die Haenge der Caldera hinunter. Kissen, die sich ansatzweise bilden, flieszen gleich wieder zur Decke zusammen. Wie die Kissenlava kuehlen auch diese Decken an ihrer Oberflaeche beim Kontakt mit Meerwasser rasch ab und es bildet sich eine fest Kruste. Darunter kann der Lavastrom noch lange weiter flieszen. Wenn die Eruption zum Stillstand kommt und keine Lava mehr unter der Kruste nachflieszt, bricht sie oft ein. Dabei enstehen bizarre Hoehlenlandschaften.

An der Oberflaeche von Lavadecken sind oft ziemlich regelmaeszige Linien zu erkennen. Die entstehen, wenn Lava unter einer bereits fest ausgehaerteten Kruste hervorstroemt. Der harte Rand der Kruste zeichnet dann mit seinen Ecken und Kanten diese Linien in die Oberflaeche des vorbeiziehenden noch fluessigen Basalts.

Oft sehen Lavadecken aber einfach so aus, als waeren sie ganz wild durcheinander geworfen worden.

Natuerlich hat der grosze Vulkanausbruch unter Wasser das Untersuchungsgebiet mit all seinen Tieren und schwarzen Rauchern komplett veraendert. Wie es dort jetzt aussieht, erzaehlen wir Euch morgen.

        

                                            Eingebrochene Lavadecke                                                         Lavadecke


9. November 2006

ALARM!

Die Feuerglocke schrillt! Schnell Schwimmweste, Ueberlebensanzug und Kopfbedeckung greifen und raus aus der Kabine, hinauf auf’s Deck!

Bei der heutigen Uebung ging das alles wieder einmal eher gemaechlich und man fragt sich, was angesagte Notfalluebungen wirklich bringen. Man kann nur hoffen, dass die woechentliche Uebung alle animiert, fuer sich selbst genau zu ueberlegen, wie ihr Handlungsablauf und Fluchtweg aussieht, wenn es wirklich schnell gehen musz und die Umstaende Stress erzeugen. Etwa durch hohen Wellengang, oder wenn – sehr wahrscheinlich – das Licht ausfaellt.

Immerhin wissen nun alle, wo Ueberlebensanzug und Schwimmweste in der Kabine haengen. Zwei Griffe nach dem Zeug und man kann schon aufs Hauptdeck eilen.

Dort versammeln sich alle zunaechst im groszen Labor, wo jede(r) von Kazumi mit Namen aufgerufen wird. Kazumi gehoert zu Crew und koordiniert die Uebung. Dann werden zwei Gruppen eingeteilt; unsere begibt sich auf’s Achterdeck. Dort fragt Kazumi nochmals, ob alle da sind. Nach einigen Minuten kommt vom Kapitaen die Meldung, dass wieder einmal alles hervorragend geklappt hat. Der Herr des Schiffes bedankt sich und alle schlendern gemuetlich zurueck in die Kabinen. Die Kopfbedeckung dient uebrigens dem Schutz vor Sonne.

Ein Blick auf’s Rettungsmaterial beruhigt jedoch. Die Schwimmwesten sind ausgestattet mit Trillerpfeife, Lichtreflektoren und Blinklicht. Der Ueberlebensanzug sieht aus wie ein zu grosz geratener Tauchanzug. Im Notfall steigt man da mit allem, was man an Kleigung am Koerper traegt hinein. Die Wassertemperatur hat in diesen Breiten zwar meist um die 28 Grad. Doch wenn man sich nicht bewegt, kuehlt man auch bei diesen Temperaturen langsam aus.

Insgesamt acht weisze Kunststoffbehaelter mit Rettungsinseln sind auf dem Oberdeck mit breiten Riemen festgeschnallt, je vier auf jeder Seite der Atlantis. Sechs von ihnen fassen je 25 Personen, zwei nur 15. Das sind zusammen 180 Leute und damit etwa drei Mal so viele, wie derzeit an Bord sind.

Im Notfall wird nur der Riemen geloest und die Kunststofftonne ueber die Bordkante gerollt. Den Rest macht das Rettungsflosz allein. Gleich nachdem die Tonne aufs Wasser schlaegt, entfaltet sich die Rettungsinsel. Die Passagiere sollten dann schon in ihren Ueberlebensanzuegen stecken und mit den Fueszen voran nachspringen. Wichtig ist es, NEBEN das Flosz zu springen, nicht HINEIN. Das wuerde der Boden nicht aushalten und auszerdem koennte man eine andere Person verletzen.

Die Rettungsinsel ist mit einem GPS Sender ausgestattet und das ist fast so etwas wie eine Lebensversicherung. Denn mit diesem Ortungssystem ausgeruestet, sollte das Flosz schon bald von einem anderen Schiff gefunden werden.

Insgesamt wirken die Sicherheitseinrichtungen beruhigend. Dennoch: Wir haben uns vorgenommen, dass wir alle vor dem Einschlafen noch mal unsere Fluchtwege zu den Rettungsinseln genau durchdenken.

         

                                              Sigrid beim Feueralarm                                 Kazumi ruft alle mit Namen auf

                                             Rettungsinseln am Oberdeck                                 Rettungsinsel fuer 25 Personen wurm Tevnia


10. November 2006

Wenn das Wasser aus den heiszen Quellen am Meeresgrund austritt, hat es bis zu 360 Grad Celsius. Es ist nur deshalb nicht gasfoermig, weil der Druck in dieser Tiefe so grosz ist. Mit der Zeit und mit der Entfernung von der Quelle kuehlt das heisze Wasser ab, weil es sofort Waerme an das umgebende Meerwasser abgibt - und das hat nur 2 Grad. Das heisze Wasser wird also nicht nur rasch kuehler, es breitet sich auch nicht sehr weit von der Quelle weg aus. Beim Austritt von warmen Quellen mischt sich die heisze Thermalflüssigkeit schon in der Erdkruste mit kaltem Seewasser und ihre Austrittstemperatur ist dann viel niedriger und erreicht Temperaturen von 30 Grad.

Jede Tierart in diesem Lebensraum ist an eine bestimmte Temperaturzone gebunden. Diese Zonen sind meist von einer groszen Tierart geprägt und leicht zu erkennen, obwohl in diesen Ansammlungen von Würmern oder Muscheln noch viele andere kleine Tiere leben.

Der Pompeji-Wurm Alvinella baut seine Roehren am Fusze der black smokers, in einem Bereich, wo das Wasser noch bis zu 80 Grad Celsius hat. An den heiszesten Stellen lebt nur Alvinella, doch gleich daneben findet man auch andere Tiere.

Etwas weiter entfernt, in einer Zone mit 10 bis 30 Grad warmem Wasser, siedelt der Riesenroehrenwurm Riftia. Diese Gattung wird unter allen Roehrenwuermern am groeszten. Bis zu zwei Meter lang ihre sind ihre weiszen Röhren und dicht nebeneinander bauen sie meterhohe Türme.

In dem Bereich, wo das Wasser nur noch 4 bis 10 Grad hat, siedeln die Muscheln mit Namen Bathymodiolus. Sie sind Verwandte der Miesmuschel, die man gern beim Italiener serviert bekommt. Manche Basaltstellen sind von diesen Muscheln geradezu ueberwuchert. Auf Feldern von mehreren Quadratmetern Groesze wachsen sie auch uebereinander und koennen so ganze Graeben ausfuellen.

Festsitzende Wuermer, die Kalkroehren bauen und so genannte Rankenfuszkrebse bilden die Leitformen der Fauna im Wasser mit 2 bis 4 Grad.

Schon vor dem Vulkanausbruch haben die Forscher begonnen, die besonders markanten Stellen in ihrem Untersuchungsgebiet mit Namen zu versehen. Das macht sich jetzt bezahlt. Denn nur an exakt bezeichneten Stellan lassen sich die Verhaeltnisse vor und nach der Eruption genau vergleichen.

                                                                              Karte des Untersuchungsgebiets

So konnte Monika auf ihren bisherigen Tauchfahrten viele Veraenderungen feststellen. Interessant ist die Tatsache, dass das das Zuflußsystem in der Erdkruste gleich geblieben ist, an manchen Stellen stärker wurde, an anderen Stellen schwächer oder ganz erlosch. Die Veränderungen ist der Tierwelt sind allerdings markant. Im Moment gibt es keine Muscheln und kleine neue Riftias wurden nur an einer Stelle entdeckt. Dafür siedelt Tevnia anscheinend überall an warmen Quellen und wird, wie wir schon wissen, bald von Riftia verdrängt werden. Die Muscheln dürften erst in 2-3 Jahren wieder auftauchen. Von den vagilen Tieren gibt es jetzt schon wieder genauso viele wie früher, z.B. den Vent-Tintenfisch, mehrere Arten von Fischen, und die Schlotkrabbe.

                                                     Tiefseefisch                                                          Schlotkrabbe

An den Untersuchungsorten M Vent und Q Vent gab es vor dem Vulkanausbruch Schwarze Raucher, mit vielen Roehren des Wurmes Alvinella. Diese Raucher sind „erloschen“. Die Roehren der Alvinella stehen zwar noch, das Fehlen der Thermalflüssigkeit hat die Tiere getötet. Lava hat ihre Basis ueberflutet und die Wuermer weiter unten dabei getoetet. Um den smoker Q Vent schwirren tausende von kleine Krebsen.

Am so genannte Riftia Field gab es vor der Eruption grosze Roehrenwuermer und einen kleinen black smoker mit Bestaenden von Alvinella. Der smoker „raucht“ nicht mehr, aber eine kleine warme Quelle wurde von einigen Roehrenwuermern der Gattung Tevnia besiedelt.

Das Mussel Bed war ein riesiges Feld von Muscheln. Dann kam die Lava und ueberflutete alles. Hier ist nichts mehr am Leben.

Die East Wall, die Ostwand des Troges war frueher etwa 15 Meter hoch und mit Riftia und Muscheln dicht besiedelt. Heute sind die etwas tiefer gelegenen Stellen mit Lava ueberflutet und die Quellfelder weiter oben gibt es nicht mehr. Unmengen von Tieren sind hier verendet, einerseits durch die Lava, andererseits durch das Ausbleiben von Thermalflüssigkeit. Ueberall liegen alte Röhren und Muschelschalen. Solche Schalen und Röhren wurden auch 500 Meter ausserhalb des Kraters gefunden. Diese wurden wahrscheinlich vom gewaltigen Vulkanausbruch ausgerissen und weggeschleudert.

                                                                                             Tote Muscheln

Im Untersuchungsgebiet Tica ist die gegenwaertige Situation nicht ganz so schlimm. Hier bestand eine Riesenansammlung von Roehrenwuermern und mitten darin gab es Schwarze Raucher mit Alvinella.

Die groszen Ansammlungen sind zwar jetzt weg, doch einige Riftias haben die Katastrophe ueberlebt und sitzen eingeklemmt von neuer Lava in neuen warmen Quellen. Mitten unter ihnen findet man auch etliche Tevnias, die sich nach dem Ausbruch dort festgesetzt haben und bereits 30cm grosz sind. Von frühreren Untersuchungen weisz man, dass Riftia-Würmer erst dann siedeln, wenn Tevnia schon da ist. Die Quellfelder befinden sich noch immer an der gleichen Stelle.

       

                                                      Lebende Riftia                                                     Gruppe von Tevnia-Wuermern

Auf Bio 9 gab es eine Ansammlung von black smokers verschiedener Hoehe mit Alvinella unten darauf. Auszerdem hatten Wissenschaftler dort grosze Riftia und auch Muschel entdeckt. Monika fand bei ihrem jetzigen Tauchgang aktive black smokers, die allerdings an anderer Stelle heiszes Wasser spuckten. Auf ihnen siedelte der unverwuestliche „Heiszwasserwurm“ Alvinella.

P Vent bot Monika ein ganz aehnliches Bild, was die smoker betrifft. Zusätzlich findet man warme Quellen mit Tevnia und dazwischen konnten auch die ersten neuen, 30 cm langen Riftias entdeckt werden. Sie sind also schon wieder da, allerdings noch klein und versteckt zwischen Tevnia.

TY – IO Vent, waren früher zwei nebeneinander liegende Areale mit black smokers. Heute besteht hier nur mehr ein Bereicht mit allerdings 9 smokers in der Größe von 1 Meter bis zu 8 Metern. Daneben entstanden neue warme Quellen mit Alvinella.

                                                                     Warme Quelle mit dichter Alvinella

141 Vent war in den letzten Jahren ein wenig aktiver Bereich und ist nun zu neuem Leben erblüht. Die gesammte Ostwand des Kraters ist mit Tevnia besiedelt.

Am Untersuchungsort Choo-Choo machte Monika eine erstaunliche Entdeckung: Der Lavaflusz hat hier eines der Forschungsgeraete, das vor dem Vulkanausbruch abgesetzt worden war, um mehrere hundert Meter mit sich fortgetragen.

Die dramatischen Veraenderungen in der Unterwasserlandschaft durch den Vulkanausbruch machen die Erforschung der Wiederbesiedlung der verwuesteten Gebiete ungeheuer spannend. Schon jetzt laeszt sich sagen: Das Leben kehrt nach und nach zurueck.


11 November 2006

Eine der groszen Schwierigkeiten in der Meeresbiologie ist es, dass man in der Tiefsee nur sehr schwer Proben nehmen und Tiere fangen kann. Viel Ueberlegung und praktische Tests waren notwendig, um die Entwicklung von Sammelgeraeten auf den heutigen Stand zu bringen. Die Geraete sind oft sehr einfach, funktionieren aber sehr wirkungsvoll.

Die groeszten Sammelgeraete sind die so genannten Sedimentfallen. Das sind grosze Trichter aus Kunststoff, die an einem langen Kabel im Meer versenkt werden. In ihnen sammelt sich alles, was von oben Richtung Meeresgrund rieselt. Unter dem Trichter haengt ein Sammelgefaesz und nimmt das Sediment auf. Bis zu einem Jahr bleibt eine Sedimentfalle im Wasser. In dieser langen Zeit koennte so ein Sammelgefaesz auch uebergehen. Um das zu verhindern, sind unter dem Trichter gleich mehrere Behaelter angebracht, die von einem kleinen Motor der Reihe nach ausgetauscht werden. Nach einigen Tagen oder Wochen schiebt der Motor ein bereits mit Sedimenten gefuelltes Gefaesz beiseite und ersetzt es durch einen neuen noch leeren Behaelter. Ein Konservierungsmittel sorgt dafuer, dass die gesammelten Organismen nicht verwesen. Zur Zeit sind vier Sedimentfallen im Untersuchungsgebiet ausgebracht.

       

                                                 Sedimentfalle am Kabel                        Kleine Tiere auf "Sandwichfalle"

Noch viel mehr, naemlich gleich 60 Fallen der Art „Sandwich Trap“ hat die Gruppe von Lauren Mullineaux bisher in die Tiefe versenkt. Diese Fallen bieten Tieren kuenstliche Oberflaechen zur Besiedelung und die Forscherinnen hoffen, dass sich moeglichst viele Tiere darauf niederlassen.Eine Sandwich-Falle besteht aus jeweils sechs Scheibchen. Sie sind aus durchsichtigem Kunststoff und etwa 10x10cm grosz. Legt man diese Scheibchen uebereinander, dann sieht die Falle tatsaechlich aus wie ein Mega-Sandwich, das allerdings ganz mies belegt ist. Sechs Schnitten Brot und nichts dazwischen auszer ein Stueckchen Kaese an jeder Ecke.

Viele Larven bewohnen gern hoehlenartige Raeume. Fuer sie sind die Fallen wohl so etwas wie moderne Hochhaeuser am Meeresgrund. Im Dezember werden die Forscherinnen wiederkommen und die kleinen Pakete vom Meeresgrund heraufholen. Ihre Erwartungen sind grosz. Neben den Larven gilt ihr Interesse einer Schnecke. Deren Larve wurde im Mai, also gleich nach dem Vulkanausbruch gefunden, doch noch nie hat jemand ein erwachsenes Tier dieser Art gesehen. Auch verschiedenen Arten von Wuermern werden nach den 40 Tagen wahrscheinlich in den Sandwiches eingezogen sein.

Beobachtet wurde schon, wie sich eine kleine weisze Krabbe zwischen zwei Schichten der Falle haeuslich eingerichtet hat und ihr neues Heim vehement gegen einen deutlich groeszeren Artgenossen verteidigte. Dessen Panzer war bereits zu grosz um zwischen die Plaettchen hinein zu schluepfen, doch mit seinen Greifarmen und Scheren setzte er dem kleinen Verteidiger ganz schoen zu.

             

                                                 Sabines "Waschlfallen"                                         Monikas "Babyfalle"

Ganz einfach, aber sehr wirkungsvoll und „made in Austria“ sind die Fallen, mit denen Sabine der Meiofauna in der Tiefsee auflauert. Schlichte Kuechenwaschln aus buntem Plastik erfuellen offenbar perfekt die Ansprueche, die die kleinen Bewohner der Tiefsee an ihre Umgebung haben. Die Palette der unterschiedlichen Tiere, die Sabine mit Schere und Pinzette schon jetzt aus ihren Wascheln herausgepickt hat, kann sich sehen lassen: Ruderfuszkrebse und junge Entwicklungsstadien (Nauplien) von Krebsen, Strudelwuermer und Schlauchwuermer. Aber auch Schnecken, kleine Tevnias und andere Borstenwuermer. Bakterien sind immer dabei, die werden aber erst in Wien genauer untersucht. Immer mit dabei ist beim Sichten der Proben die Hoffnung ein bisher unbekanntes Tier zum ersten Mal zu erblicken.

Bereits bevor es die Sandwiches gab, hatte Monika die Loesung der Frage gefunden, wie am besten an die Larven der Roehrenwuermer heranzukommen sei. Sie fertigte quadratische Kunststoffplaettchen von 5 cm Seitenlaenge und legte sie aufeinander. Zuvor bohrte sie von den Raendern weg gehende haarduenne Rillen in die Oberflaechen der Plaettchen. Uebereinander gelegt, ergibt das einen Wuerfel mit ganz feinen Loechern. Die Rechnung ging auf: Zahlreiche Larven von Roehrenwuermern konnten den winzigen Luecken nicht widerstehen und besiedelten das Plexiglas. Wenn Monika die Halterungen der Wuerfel abnimmt und die einzelnen Scheibchen unter das Mikroskop legt, sieht sie einen ganzen Kindergarten von Roehrenwuermern.

Ein weiteres ganz groszes Problem in der Tiefseeforschung liegt darin, dass die untersuchten Organismen fuer ganz starken Wasserdruck gebaut sind. Holt man sie aus ihrem natuerlichen Lebensraum, sterben sie entweder noch auf dem Weg an die Wasseroberflaeche, oder kurz danach. An der Universite Pierre et Marie Curie in Paris hat man sich Gedanken gemacht, wie Tiefseetiere an Land untersucht werden koennen, ohne vorher zu sterben. Florence Pradillon hat vom Pariser Laboratoire Systematique ein Hochdruckaquarium mit auf die Expedition bekommen. Darin kann ein Druck von bis zu 310 bar aufgebaut werden. Das sind noch mal 60 bar mehr als im Untersuchungsgebiet herrschen. Mit einem herkoemmlichen Aquarium hat das Ding aus Edelstahl aber nichts gemeinsam. Das Herz dieser Maschine sind zwei Metallzylinder, in die gerade mal 100 Milliliter Fluessigkeit passen. Das entspricht einem halben Glas Cola im Lokal – wenn der Kellner nicht wieder was verschuettet.

                                                                                    Hochdruck-Zylinder (u)

In diese Zylinder gibt Florence kleine Tiere, die sie untersucht. Es sind junge Entwicklungsstadien des „Heiszwasser-Wurms“ Alvinella. Florence hat Eier aus einem Weibchen gewonnen. Bis zu 200 000 Stueck in allen Stadien der Entwicklung kann ein groszes Weibchen in sich tragen. Allerdings sind maximal 5000 davon reif genug fuer die Befruchtung durch ein Maennchen. Florence hat einige Eier kuenstlich (in vitro) befruchtet und will nun beobachten, was mit den Eiern geschieht.


12. November 2006

Heute unternahm Andreas Thurnherr, der wissenschaftliche Leiter unserer Expedition einen wohl vorbereiteten Versuch unter Wasser. Andreas ist Pysikalischer Ozeanograph und somit ein typischer Fall fuer einen Wissenschaftler, der den Kopf immer voller Zahlen hat und nie ohne eine Theorie in eine Untersuchung geht. Diesmal wollte er Modellrechnungen pruefen, die anhand von Stroemungsmessungen entwickelt wurden. Die Modelle zeigen, dass an der Westseite des Rueckens mit einer Nordstroemung zu rechnen ist, das heiszt der Wasserstrom geht Richtung Norden. (Bei der Angabe von Windrichtungen ist es gerade umgekehrt. Dort weht ein Nordwind nicht NACH Norden, sondern AUS DEM Norden).

An der Ostseite sollte der Strom nach Sueden ziehen. Auszerdem sagten die Modellberechnungen voraus, dass die Stroemungen sich auf die unmittelbare Naehe des Gebirges beschraenken.

Die neuen Beobachtungen und Messungen von Andreas ergaben dann folgendes Bild: Von der Meeresoberflaeche bis in eine Tiefe von etwa 2000 Metern werden die Stroemungen nicht von dem Gebirge am Meeresgrund beeinfluszt. Ab 2000 Metern Tiefe werden die Stroemungsverhaeltnisse viel komplizierter. Ab dort machen sich die Berge bemerkbar. Uebereinstimmend mit den mathematischen Modellen zieht an der Westseite des Gebirges ein Strom nach Norden und an der Ostseite zieht ein Strom nach Sueden. Im Unterschied zu den Vorhersagen erstrecken sich diese Stroeme aber bis zu 30 Kilometer vom Ruecken in den Ozean hinein aus. Auszerdem sind sie etwa zehn Mal so stark, wie in den Modellen vorhergesagt. Besonders wichtig fuer die Biologen ist die Erkenntnis, dass an den Stellen, wo Larven ins Wasser abgegeben werden, die Stroemungen sehr unterschiedlich sind. Besonders direkt an den Quellen scheinen die Stroemungen ziemlich konfus zu sein.

Andreas will auch die Stroemung des Wasser unmittelbar bei einem smoker besser verstehen. Er will die Bewegung des Wasser veranschaulichen. Dafuer hatte er vor seinem heutigen Tauchgang auf der Arbeitsplattform von Alvin gruen fluoreszierende Tinte geladen. Die wurde vorsichtig ausgeleert und beobachtet, aus welcher Entfernung der Wasserstrahl aus dem smoker die Tinte am besten einsaugt und verwirbelt. Der Versuch wurde auf Videoband aufgezeichnet. Jetzt hat Andreas neue Daten, die er in seinem Institut auswerten wird, sobald er zurueckgekehrt ist. Daraus werden wieder neue Modelle erstellt, die dann wiederum in der Natur auf ihre Richtigkeit geprueft werden.

         

                                     Gruene Tinte u schwarzer Raucher                                 Tinte in 2500 Metern Tiefe

Manchmal aber spielt der Zufall die entscheidende Rolle, wenn die Natur ein weiteres Geheimnis preisgeben musz. So ein Erlebnis hatte Monika bei ihrem bisher letzten Tauchgang. Der fuehrte sie auch zum Untersuchungsort Q Vent. Diese Stelle war vom frueheren Tauchfahrten her sehr schon gut bekannt. Monika wollte selbst sehen, wie sich die Stelle nach dem Vulkanausbruch veraendert hat. Die ersten Eindruecke waren ernuechternd. Von der einstmals reichen Fundstelle besonders von Alvinella war nichts mehr uebrig. Auch die black smokers waren erloschen. Doch zwischen zerfallenen smokers und toten Alvinellaroehren bemerkte Monika ploetzlich Bewegungen. Alvin fuhr naeher und tatsaechlich waren da unzaehlige dicht behaarte Wuermer, die auf den ausgekuehlten smokers herumkrochen. Mit etwa vier Zentimeter Laenge sind diese Borstenwuermer zwar keine Riesen. Dass sie in diesem sehr gut untersuchten Gebiet aber jahrelang uebersehen worden warenn, erstaunte Monika doch sehr. Waren sie schon immer hier? Oder sind sie erst nach der Eruption eingewandert? Monika hatte kaum Zeit darueber nachzudenken, denn schon knackte Pilot Pat mit einem der staehlernen Greifarme von Alvin ein Stueck Kissenlava auf – und die beiden trauten ihren Augen kaum: In dem Hohlraum unter der Lavakruste wimmelte es geradezu von den eben entdeckten Wuermern. Rasch sammelten die beiden Aquanauten noch ein paar weitere Wuermer, dann muszten sie weiter.

Wieder an Bord der Atlantis eilte Monika gleich in Bibliothek. In dem von ihr selbst verfaszten Standardwerk ueber die Tierwelt der Tiefsee suchte sie den mitgebrachten Wurm. Da er auch dort nicht zu finden ist, ist es jetzt schon sehr wahrscheinlich, dass Monika ein neues Lebewesen entdeckt hat. Sie wird einige Exemplare nach Frankreich schicken an Daniele Desbryeres, einen internationalen Experten fuer Borstenwuermer. Wenn der Spezialist den kleinen Tiefseewurm auch nicht kennt, darf er sich als Beschreiber einer neuen Art auch gleich einen neuen Wurmnamen einfallen lassen.

  

                                                 Wuermer ohne Namen                                       Neu entdeckter Borstenwurm


13. November 2006

Neunzig Meter lang und 35 000 Tonnen schwer ist die Atlantis. Angetrieben wird sie mit Strom. Drei grosze Dieselmotoren erzeugen Strom fuer den Schiffsantrieb, drei kleinere versorgen all die anderen Einrichtungen, die auch Strom verbrauchen, aber nichts mit dem Schiffsantrieb zu tun haben. Beispielsweise die Klimaanlagen oder die Aufbereitung von Trinkwasser und Warmwasser. Trinkwasser wird nicht im Hafen getankt, sondern an Bord hergestellt. Es ist Meerwasser, dem Salz entzogen wurde. 7000 bis 12000 Liter Wasser werden pro Tag auf der Atlantis verbraucht.

Chefmaschinist Jeff Little bezeichnet diese Einrichtungen als „Hotel Service“ fuer die Wissenschaftler.

               

                                                 Jeff Little, Chefmaschinist                                                 Stromgenerator

Jeff ist schon seit 1987 bei der Woodshole-Organisation beschaeftigt. Als „Dritter Maschinist“ hat er begonnen und sich langsam hochgearbeitet.

Eigentlich hatte der junge Jeff ganz andere Vorstellungen von seiner Zukunft. Maler wollte er werden. Zehn Jahre hatte er es versucht, dann allerdings eingesehen, dass es schwer ist, als Maler ausreichend Geld zu verdienen. Jeffs Vater war schon Maschinist gewesen und nach einem eindringlichen Gespraech zwischen Mister Little und seinem Sohn, trat Jeff in die Fuszstapfen des Vaters.

Mittlerweile hat Jeff sein eigenes kleines Reich auf der Atlantis. Als Chefmaschinist beherrscht er den so genannten Kontrollstand, von dem aus alle Maschinen ueberwacht werden. Im Notfall kann er die Atlantis von hier aus sogar fahren. Jeff hat mich zur Besichtigung der Maschinenraeume eingeladen. Zuvor aber drueckt er mir noch dicke Ohrenschuetzer in die Hand. Du wirst sie brauchen, sagt er grinsend. Egal wo man sich an Bord der Atlantis befindet, das Brummen der Motoren ist immer und ueberall zu hoeren. Und ich hatte schon so eine Ahnung, dass es da tief unter Deck ziemlich laut sein musz. Aber als Jeff die Tuere in den ersten Maschinenraum oeffnet, verstehe ich schlagartig weshalb die Maschinisten lieber wie Mickey Maus aussehen, als hier ohne Gehoerschutz herumzulaufen.

In dem riesigen Raum befinden sich die beiden Stromgeneratoren fuer den Antrieb der Schiffsschrauben. Die Schrauben lassen sich um 360 Grad horizontal drehen, sodass die Atlantis beinahe am Fleck wenden kann. Zwei Rollen mit aufgewickeltem Drahtseil befinden sich auch hier. An ihnen wird wissenschaftliches Geraet ins Meer versenkt; beispielsweise Sedimentfallen. Etwa fuenf Kilometer lang sollen die Kabel sein, so genau kann Jeff das nicht sagen.

        

                                         Jeff und Kabelrolle                                                        Dieselmotor

Dann geht es weiter und Jeff feixt, dass wir gerade erst die Vorhoelle hinter uns haben. Ich ahne Schlimmes. Tatsaechlich sind Laerm und Hitze im Motorenraum noch gewaltiger.

Groesze der Motoren und des Maschinenraumes ueberraschen mich. Dass im Bauch der Atlantis so eine Halle Platz haben koennte, habe ich nicht fuer moeglich gehalten.

Einer der groszen Motoren verbraucht in 24 Stunden 5000 – 6000 Gallons Diesel, das sind 18950 – 22740 Liter. Mit vollen Tanks kann die Atlantis 60 Tage unterwegs sein. Volle Tanks heiszt: 296 470 Gallons. Wie viel das in Litern ist, koennt Ihr sicher selber errechnen. Ich sag Euch nur: Es ist sehr, sehr viel.

Nicht immer braucht die Atlantis die volle Kraft ihrer Motoren. Wenn Alvin gerade in den Tiefen des Meeres unterwegs ist, bewegt sich die Atlantis kaum vom Fleck. Die Motoren sind dann wenig beschaeftig, doch nie werden alle auf einmal abgestellt. Zumindest ein groszer Motor laeuft immer, weil ja die Position der Atlantis wegen der Wasserbewegungen immer wieder leicht korrigiert werden musz.

Jeff hat die Ruhe eines Menschen, der seinen Job fest im Griff hat. Doch auf meine Frage, ob er irgendetwas fuerchtet, antwortet er sehr schnell und ernst: Feuer.

Nichts fuerchtet Jeff mehr als ein groszes Feuer im Maschinenraum. Lecks im Boot, so meint er, sind kein Problem, die kann man flicken. Kleine Feuer unter Deck hat er auch schon ueberstanden, doch ein wirklich groszes Feuer waere der absolute Alptrau.

Jeff ist 57 Jahre alt und will sich bald zur Ruhe setzen. Die Dienstzeiten waren nur am Anfang verlockend. Jetzt empfindet er den Rhythmus von vier Monaten Dienst ohne Pause, gefolgt von zwei Monaten Urlaub eher als Belastung. Jeff will eigentlich nach Haus zu seiner Familie nach Maine.


14. November 2006

Heute standen gleich zwei Top-Ereignisse auf dem Kalender. Der „Call to the Deep“ und der erste Tauchgang von Sigrid.

Wie beinahe jeden Morgen zog auch heute irgendwo am Horizont ein Gewitter herum und schenkte uns gleich in der Frueh den schoensten Regenbogen bisher. Waehrend alle an Deck das Farbenspiel bewunderten, tauchte auf der anderen Seite des Schiffes im wahrsten Sinne des Wortes das naechste sehenswerte Ereignis auf: Die Atemfontaene eines Wals. Natuerlich wollten alle gerne die Art wissen. Doch fuer diese Bestimmung war er leider zu weit weg. Doch fuer die vier Wiener Biologinnen ging das abwechslungsreiche Tagesprogramm gleich weiter. Sigrid kletterte unter viel Applaus in die enge Kapsel und puenktlich um acht Uhr wurde Alvin dann auch heute wieder von der Leine gelassen.

              

                                      Ein groszer Moment fuer Sigrid                                               Alvin, kurz vor dem Abtauchen

Das Tauchschiff war noch nicht ganz versunken, da eilte Monika schon auf die Bruecke um letzte Regieanweisungen fuer den lange vorbereiteten “Call to the Deep“ zu geben.

Cool wie immer unterstuetzten die Jungs der Crew das Abenteuer in Sachen Telekommunikation. Besonders die beiden Piloten Bruce und Gavin gaben sich Muehe die Verbindung von der Bruecke zur Alvin herzustellen. An sich ist das fuer sie Routinearbeit, doch heute muszte die Koordination genau ueberlegt sein, denn Kinder von der anderen Seite der Erde wollten mitsprechen.

Dort war es gerade 15 Uhr vorbei und viele junge Menschen lauschten gemeinsam mit ihren Lehrern dem Ferngespraech der besonderen Art. Einige von ihnen hatten interessante Fragen vorbereitet, die sie nun direkt in das U-Boot sandten. Andere wollten eher wissen, was sich am Mutterschiff Atlantis ereignet. An der Anzahl der beteiligten Schulen laeszt sich erkennen, dass von der Tiefseeforschung eine besondere Faszination ausgeht.

Das freut uns und wir wollen uns bei Euch fuer Euer Mitwirken bedanken. Und wir bedanken uns auch bei Ingrid Kolar, die im Wiener „Basiscamp Biozentrum“ die Faeden in der Hand hielt und schon seit langer Zeit am reibungslosen Ablauf der Telefonate gearbeitet hat.

Nachlesen koennt Ihr das komplette Gespraech auf derselben webpage unter „call to the deep“.

Waehrend wir von der Bruecke der Atlantis aus um die halbe Welt telefonierten, erlebte Sigrid 2500 Meter unter uns einige der schoensten Momente ihres Lebens. „Die Farben beim Abtauchen sind unvergleichlich. Da gibt es blaue, tuerkise und gruene Farbtoene, die man sonst einfach nirgendwo sieht. Wenn das Licht beim Abtauchen recht schnell immer weniger wird, ziehen tausende fluoreszierende Punkte vorbei.

Einer der staerksten Augenblicke ist, wenn man nach dem langsamen Fallen in die scharze Tiefe am Meeresgrund aufsetzt und Alvins Lichter angehen. Ich habe rote Shrimps gesehen und Seeanemonen und ich wollte die Hand nach ihnen ausstrecken, so nah waren sie. Und als das Wasser ploetzlich trueb erschien dachte ich, das sind die ersten heiszen Quellen, dabei hatte ich blosz Traenen in den Augen vor Freude. Wenn Alvin dann Fahrt aufnimmt, ist das ein Gefuehl von Bewegung, das ich so noch nirgendwo anders hatte. Am ehesten ist es noch mit Schweben vergleichbar.

Ja, irgendwie schwebt man in eine neue Welt. Man ist mitten drinnen in einer Welt beinahe ohne Zeit. Die fuenf Stunden am Meeresgrund erschienen gerade mal wie zwei Stunden, oder noch kuerzer.

Die Begrueszung bei der Rueckkehr durch Bettina, Sabine und Monika war dann etwas weniger romantisch, sondern ziemlich feucht.....“


15. November 2006

Die Wiener Meeresbiologinnen Monika, Bettina, Sabine und Sigrid zaehlen zu den wenigen Menschen, die die Gelegenheit hatten, mit einem U-Boot in die Tiefen des Meeres zu tauchen. Ob es jetzt das erste Mal ist, wie fuer Bettina oder Sigrid, oder das zweite Mal, wie fuer Sabine, oder schon das 11. Mal, wie fuer Monika, aufregend ist es immer.

                                                                      Bettina                                            Sabine

                                                                                                   Sigrid

Wenn dann alle Vorbereitungen der Crew getroffen sind, kommt endlich die Aufforderung nach oben zu klettern, die Schuhe auszuziehen, und moeglichst ohne die Luke zu beruehren ins U-Boot zu klettern.

        

                                          Monikas Einstieg                                               Sabine steigt ins U-Boot

Hier sind die Fotos von unvergesslichen Momenten in einer fremden Welt 2500 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Biologinnen meinen, dass es fuer diese Eindruecke kaum Worte gibt. Auch die Bilder koennen die Gefuehle und Gedanken nicht wiederspiegeln, die jede Einzelne bewegt hat.

          

                                            Monika und Gavin                                                           Pat und Bettina

         

                                         Sabine, Mike und Bruce                                              Sigrid im Tauchboot

Beim Aussteigen nach 8 Stunden in der engen Kapsel erwartet dann Bettina und Sigrid eine Taufe mit eiskaltem Wasser, Gelatine – Matsch oder Schlagsahne mit anschliessendem gemeinsamen Eintauchen in den Pool, samt Kleidung und Schuhen natuerlich.

                

                                           Sigrid nach der Traumreise                             Taufe einer Tiefseefahrerin

                                                                      Das Sahnehaeubchen fuer Sigrid

Nicht zu vergessen waere da noch der erste U-Boot Tauchgang in der Geschichte, der von Oesterreich bezahlt wurde, am 1. November 2006. Nach fast 15 Jahren Forschung an den Hydrothermalquellen des Pazifiks ist damit ein langersehnter Wunsch Monikas in Erfuellung gegangen.

          

                                            Erste Oesterreichische Tiefseefahrt                                        Musz nicht immer Tiefsee sein...

Das war’s vom Pazifik. Der letzte Tauchgang ist vorbei und alles ist gut gegangen. Alvin wird ein letztes Mal in die Garage gefahren. Vor dem naechsten Cruise erhaelt das kleine Tauchboot ein groszes Service. Heute noch wird Kapitaen Chiljean den Bug der Atlantis nach Norden drehen, Richtung Manzanillo in Mexico. Fuer den Abend ist noch ein Grillfest an Deck angesagt – wenn das Wetter mitspielt. Jeder hat ein skeptisches Auge auf den Himmel gerichtet. Ein Hurrikan steht im Norden, so genau auf unserer Route nach Manzanillo, dass man einen geraden Strich durchziehen koennte. Doch auch kurz nach der Abfahrt von San Diego war ein Tropensturm angesagt worden, von dem wir dann nicht viel bemerkt haben. Tage spaeter allerdings haben wir erfahren, dass die Atlantis in groszem Bogen ausgewichen war. Auf der Bruecke wollte man die Landratten unter den Wissenschaftlern offenbar nicht gleich zum Beginn der Reise in die Kabinen schicken. Ich hoffe sehr, dass sie jetzt zum Schlusz noch immer so gnaedig mit uns sind. Alle, die jemals seekrank waren, hoffen mit mir. Patrick, der Vorarbeiter an Deck, schmaelert unserer Hoffnung leider. „It’s gonna be a rough ride“. Wir nehmen den erfahrenen Seemann ernst und gehen schon mal daran, im Labor alle beweglichen Gegenstaende zu sichern.

Es hat mir Spasz gemacht, den taeglichen Bericht fuer Euch zu verfassen. Noch schoene Gruesze vom Pazifik bevor es nach Hause geht, wuenschen Monika, Sabine, Sigrid, Bettina und ich. Wir hoffen, einige Eurer Fragen beantwortet zu haben. Vielleicht ist es sogar gelungen, etwas Begeisterung fuer die Tiefsee bei Euch zu wecken.

Danke fuer’s Dabeisein.

Andreas.